Warum Edwin Hoernle, Paul Oestreich und Otto Rühle?
===history lessons: Klassenkampf und Erziehung===
Die Auseinandersetzung mit sozialistischen Erziehungskonzepten und Erziehungspraktiken in Deutschland der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ist aus mindestens zwei Gründen interessant:
1. Erziehung ist aus historisch-materialistischer Sicht ein politisch umkämpftes Feld. Erziehung dient entweder der Konsolidierung vorherrschender gesellschaftlicher Strukturen oder Erziehung wird als gesellschaftsverändernde Praxis betrachtet. Für uns ist damit die Suche nach den emanzipatorischen Potentialen darin und das Ziel der Überwindung der jeweiligen Herrschaftsverhältnisse verbunden.
Die hier in den Fokus gerückten marxistisch orientierten Pädagogen in Deutschland handeln zwischen 1918-1933 in der Zeit des pädagogischen Aufbruchs der sichtbar wurde durch die Vielzahl von reformpädagogischen Bemühungen. Gleichzeitig agierten sie in einer politisch zugespitzten Situation, in der sich die Klassenkonflikte verschärfen und revolutionäre Situationen entstanden. Hoernle, Oestreich udn Rühle sahen sich in einer gesellschaftsverändernden, sozialistisch-revolutionären Rolle. Sie waren auf der Suche nach emanzipatorischen Potentialen einer pädagogischen Praxis, welche die Herrschaftsverhältnisse auflösen und überwinden können.
2. Die kritische Auseinandersetzung und Aneignung dieser sozialistisch-revolutionären Erziehungskonzepte sehen wir auch als einen Beitrag des Erarbeitens eines Gegen-Wissens - also der Produktion eines Wissens der marginalisierten Position. Denn gerade in der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft und insbesondere der historischen Bildungsforschung liegt der Mainstreamfokus genau immer neben diesen hier bearbeiteten pädagogischen Konzepten. Alles und jedeR geisteswissenschaftliche oder reformorientierte Pädagoge/in wird in den Seminaren der "Möchtegern-Eliteuniversitäten" oft, gerne und breit rezipiert - nur die oppositionelle sozialistische/kommunistische Pädagogik findet sich in keiner aktuellen Ausgabe von Pädagogikgeschichten.
Historische Bildungsforschung ist ein konkreter Beitrag das historische Gedächtnis bewahren zu helfen, um darin enthaltene alternative Möglichkeiten pädagogischer Praxis aufzuzeigen - so meint einer der wenigen (letzten?) kritischen Bildungshistoriker an einer bundesdeutschen Universität Armin Bernhard. Er hat recht, und klar ist auch: es liegt an uns, die produktiven Potentiale historischer emanzipatorischer pädagogischer Grundgedanken für unsere heutige Situation zu identifizieren und es liegt auch an uns dafür Orte zu entwickeln - wie z.B. diesen summit.
